GoHighLevel im Praxistest

Wir haben GoHighLevel 90 Tage lang als primäres CRM, Marketing-Tool und Kundenportal eingesetzt. Hier ist unser ehrliches Urteil – inklusive der Dinge, die uns überrascht haben.

Malte Usinger Von Malte Usinger · · 3 Min.
GoHighLevel im Praxistest
Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • GoHighLevel verspricht eine All-in-One-Plattform für Agenturen: CRM, E-Mail, SMS, Funnels und Kundenportal unter einem Dach.
  • Nach 90 Tagen im echten Einsatz: Das CRM und Pipeline-Management überzeugen – die Lernkurve ist aber deutlich steiler als beworben.
  • Die White-Label-Funktion ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Agenturen, die Kunden eine eigene Plattform anbieten wollen.
  • Für kleine Agenturen oft überdimensioniert – der Preis lohnt sich erst, wenn mindestens 10–15 aktive Kunden die Features nutzen.

GoHighLevel hat in den letzten zwei Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt. Kaum ein Agentur-Tool wird so laut empfohlen – und gleichzeitig so wenig nüchtern bewertet. Nach 90 Tagen im echten Einsatz kann ich das ändern.

Stärken

  • Solides CRM mit übersichtlichem Pipeline-Management
  • Starke Workflow-Engine für lineare Marketing-Sequenzen
  • White-Label und Subaccount-Reselling als echtes Alleinstellungsmerkmal
  • Integrierte Telefonie und SMS (v. a. für den US-Markt)

Schwächen

  • Überwältigende Oberfläche, steile Lernkurve, Navigation nicht intuitiv
  • Mehrere Ausfälle und Bugs in 90 Tagen
  • E-Mail-Deliverability schwächer als bei spezialisierten Tools
  • Support-Antwortzeiten von 24–48 Stunden

Was GoHighLevel verspricht

GHL positioniert sich als All-in-One-Plattform für Agenturen: CRM, E-Mail-Marketing, SMS-Kampagnen, Pipeline-Management, Landing Pages, Buchungssystem, Mitgliederbereich, Reputationsmanagement – alles in einer Oberfläche, white-labelbar für Kunden.

Das Versprechen: Kein Flickenteppich aus Tools mehr. Eine Plattform, eine Rechnung, eine Einarbeitung.

Was wirklich gut funktioniert

CRM und Pipeline-Management. Das CRM ist solide. Kontakte verwalten, Deals tracken, Aufgaben zuweisen – das macht GHL gut. Die Pipeline-Ansicht ist übersichtlich, die Filteroptionen ausreichend.

Automatisierungen für Marketing-Sequenzen. GHL’s eigene Workflow-Engine eignet sich hervorragend für lineare Marketing-Sequenzen – dafür braucht man Make.com nicht:

  1. Neuer Lead kommt rein

  2. Follow-up nach 24 Stunden

  3. SMS nach 3 Tagen

  4. Termin-Erinnerung

White-Label und Reselling. Das ist GHL’s eigentlicher Stärke für Agenturen. Du kannst die gesamte Plattform unter deiner eigenen Marke an Kunden vermieten. Das Subaccount-Modell funktioniert gut.

Telefonie und SMS. Integrierte Telefon- und SMS-Funktionen – insbesondere für den US-Markt stark. Im deutschsprachigen Raum eingeschränkter, aber nutzbar.

Was uns überrascht hat (negativ)

Die Oberfläche ist überwältigend. GHL versucht, alles zu können – und das merkt man. Die Lernkurve ist steil. Neue Teammitglieder brauchen Wochen, bis sie sich sicher fühlen. Die Navigation ist nicht intuitiv.

Bugs und Instabilität. In 90 Tagen hatten wir mehrere Ausfälle und Bugs, die unsere Arbeit unterbrochen haben. Für ein kostenpflichtiges Produktionssystem ist das zu häufig.

E-Mail-Deliverability. GHL’s eigenes E-Mail-System hat schlechtere Zustellraten als spezialisierte Tools wie Mailchimp oder ActiveCampaign. Für transaktionale E-Mails würden wir weiterhin auf dedizierte Dienste setzen.

Der Support. Technisch hilfreich, aber langsam. Antwortzeiten von 24–48 Stunden sind im Agenturalltag problematisch.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis

GHL kostet ab ~$97/Monat (Starter) bis ~$297/Monat (Agency Unlimited). Im Vergleich zu einem Tool-Stack aus CRM + E-Mail-Marketing + Booking + CMS ist das günstig – vorausgesetzt, du nutzt tatsächlich alle Features.

Das ist der Haken: Die meisten Agenturen nutzen 30–40% der GHL-Features wirklich. Der Rest ist Ballast.

Mein Fazit

GoHighLevel ist dann das richtige Tool, wenn du aktiv Subaccounts an Kunden verkaufst oder vermietet. Dann rechnet sich das White-Label-Modell, und der komplexe Feature-Umfang hat einen Zweck.

Als reines Agentur-CRM und Marketing-Tool gibt es schlankere, stabilere Alternativen. HubSpot (CRM), ActiveCampaign (E-Mail), Calendly (Booking) – diese Kombination ist teurer, aber stabiler und benutzerfreundlicher. Welche Automatisierungs-Plattform die einzelnen Tools verbindet, zeigt mein Vergleich von Make, Zapier und n8n für Agenturen. Und wie du das Onboarding neuer Kunden unabhängig vom CRM komplett automatisierst, erkläre ich im Guide Client-Onboarding automatisieren.

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